Junges Beethovenfest

Francesco Tristano

»Musik ist Musik«

Das antwortete Alban Berg im Frühjahr 1928 in Paris auf die Frage von George Gershwin, warum es keine Unterscheidung gebe zwischen dem, was wir als »ernste« Musik und dem, was wir als »populäre« Musik betrachten. Francesco Tristano hat dieses Zitat mit seiner Musik über die letzten zehn Jahre bestätigt. In den Partituren von Johann Sebastian Bach – und unter anderem auch von Frescobaldi, Berio, Buxtehude, Strawinsky und Gershwin – verbindet er Klavier und Synthesizer mit den neuesten Produktions– und Sequenzierungsinstrumenten.

Obwohl die Unterschiede zwischen einem Klavierkonzert – oder einer klassischen Partitur – und einem Techno–Track sehr bemerkenswert sind, ob auf Papier niedergeschrieben, auf einen Computer hochgeladen oder als improvisierte Live–Musik; Musik ist Musik, unabhängig von ihrem Stil, elektronisch oder Barock, Dance oder Avantgarde.

Auch in seinen Aufnahmen versucht Francesco Tristano, ein großes Spektrum zu umfassen. Für die Deutsche Grammophon erstellte er Programme basierend auf Cage und Bach (»Bach/Cage«, 2011), Buxtehude und Bach (»Long Walk«, 2012), Ravel und Strawinsky in »Scandale« (2014). Für das französische Label Infiné kreierte er eigene Kompositionen, deren Grundbestandteile rhythmisches Experimentieren, abstrakte Texturen und ein einzigartiges Gefühl von Freiheit sind. Obgleich es wie eine widersprüchliche Arbeitsweise erscheint, nahezu bipolar, gibt es tatsächlich eine sehr direkte – wenn auch hauchdünne – Beziehung, die Bach mit Techno–Musik verbindet; die Rhythmusfiguren, die Harmonie und Ordnung, die man bei Bach findet, sind in der Pop–Musik sehr lebendig.

Mit Techno–Musik kam er in Berührung, als er an der Juilliard School of New York studierte. Tagsüber leitete er die The New Bach Players durch ihre Bach–Lesarten, nachts geriet er in den New Yorker Clubs mit House– und Techno–Musik in Kontakt. In »Not for piano« (2007) veröffentlichte er seine eigenen Kompositionen sowie Klavierversionen von Detroit–Hymnen, wie »The Bells« (Jeff Mills) oder »Strings of Life« (Derrick May). Ein Jahr später führte er mit »Auricle Bio On« (2008) den Klaviersound ein und nutzte ihn gleichzeitig als Sampler und Synthesizer. Mit der Veröffentlichung von »Idiosynkrasia” (2010) vollendete Francesco Tristano schließlich die Synthese beider Sprachen: digitale Virtuosität und ungewöhnliche elektronische Texturen, die er als »Piano 2.0« vorstellte.

Neben seiner Karriere in der elektronischen Musik entwickelt er sich gleichzeitig als klassischer Pianist weiter. Sein Repertoire liegt zwischen Barock (hauptsächlich Bach und früher) und der Musik des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts. Dabei organisiert er seine Programme als wären sie »Playlists«, – so wie er es gerne definiert. Angetrieben durch seine unverfälschte offene Haltung und sein zunehmendes Wissen über Techno, erweitert Francesco Tristano seine Möglichkeiten.

www.francescotristano.com